Die Ethologie der Katze
Die Ethologie der Katze beschäftigt sich mit dem Verhalten der Katze und ist eine noch recht junge Wissenschaft, als deren Vorreiter vor allem Paul Leyhausen und Dennis Turner zu nennen sind.
Was sind nun die Ergebnisse der betreffenden Forschungen? Früher ging man davon aus, dass Katzen Einzelgänger sind. Zahlreiche Untersuchungen und Beobachtungen widerlegten dies aber. Es stellte sich nämlich heraus, dass die meisten Katzen durchaus ein Sozialleben haben – was den aufmerksamen Beobachter von Bauernhofkatzen, die sich um die Milch scharen, nicht wirklich überrascht haben dürfte, und Katzenzüchter wissen das schon lange. Die Bandbreite an Variationen kätzischen Zusammenlebens reicht hierbei vom (seltenen) wirklichen Einzelgänger bis hin zum gemeinsamen Aufziehen der Jungen bei weiblichen Katzen und sog. Bruderschaften bei Katern.
Die Jagdweise der Katze bedingt es jedoch, dass Katzen zumindest zeitweilig alleine sein müssen – eine Maus im Rudel zu jagen, würde einfach keinen Sinn machen. Aus diesem Grunde gibt es bei Katzen auch keine klassische Rangordnung wie z.B. bei Hunden.
Katzen sind mit wirkungsvollen Waffen ausgestattete Raubtiere, die einander im Ernstfall gefährliche Verletzungen zufügen können. Um gefährliche Auseinandersetzungen zu vermeiden, haben Katzen daher ein reiches Repertoire an Ausdrucks- und Verständigungsmöglichkeiten entwickelt.
Die Katze besitzt eine sehr ausdrucksstarke Mimik, vor allem aus der Sicht anderer Katzen; wir Menschen bekommen die Feinheiten allerdings nicht immer so mit und schnell hat eine Katze den Ruf, falsch zu sein – in Wahrheit hat ihr Mensch bloß nicht rechtzeitig auf die feinen Anzeichen beginnender Unlust reagiert. Die Mimik wird durch die Zeichnung des Fells im Gesicht unterstützt, insbesondere durch die schwarze Haut der Augenlider und das helle Fell der Augenumrandung.
Die Katze verfügt außerdem über eine vielfältige Gestik, d.h. sie kann mit ihrem Körper zum Ausdruck bringen, wie sie „drauf ist“, insbesondere die Haltung des Schwanzes, Aufstellen einzelner Haarpartien und Aufrichten oder Abducken einzelner Körperpartien bzw. des ganzen Körpers geben hier Aufschluss.
Auch die Lautgebung dient der Verständigung, genannt seien hier beispielsweise das Schnurren, das Miauen, das Fauchen und das Knurren.
Des Weiteren verständigen sich Katzen durch olfaktorische Markierungen, also Duftsignale, die zum Einen in Form von Duftstoffen aus Drüsen an den Wangen, unterm Kinn, zwischen den Zehen und am Rücken direkt vor der Schwanzwurzel, beim „Köpfchengeben“ und ausgiebigem Entlangziehen des Rückens und des Schwanzes an befreundeten Menschen und Tieren sowie Gegenständen angebracht werden. Zum Anderen sind da die – bei uns Menschen weniger beliebten – Urinmarkierungen. Auch Kot wird zum Teil als Markierung eingesetzt. Die letzten beiden genannten Markierungsarten dienen entweder dem sich finden (Paarfindung) oder dem sich aus dem Weg gehen, da Katzenreviere sich überlappen und Begegnungen hier in der Regel nicht gewollt sind.
Als letzte Verständigungsart seien noch Sichtmarkierungen genannt, die mittels der Krallen z.B. an Bäumen - oder in Ermangelung derselben bei unseren Wohnungskatzen auch Polstermöbeln - angebracht werden (in Kombination mit Duftmarkierungen aus den Drüsen zwischen den Zehen) und gleichzeitig dem Lösen der abgenutzen äußeren Krallenschichten dienen – oder auch dem Imponieren.
Tatjana Mennig, 30.10.2010