Katzenverhalten: das Schnurren

Was gibt es Schöneres, als eine wohlig schnurrende Katze auf dem Schoß zu haben? Schnurren ist Ausdruck von Wohlbehagen und Ruhe. Nicht nur Hauskatzen, sondern auch größere Katzenarten wie Luchse und Geparde schnurren, manche leiser, manche lauter. Wissenschaftlich gesehen gibt das Schnurren immer noch Rätsel auf. So wissen wir bis heute nicht genau, wie die Katze das eigentlich macht. Das Schnurren scheint im Kehlkopf produziert zu werden, aber wie das funktioniert und ob nur die Stimmlippen oder der ganze Kehlkopf in Vibration versetzt wird, ist nach wie vor nicht geklärt.

 

Das soll uns Katzenfreunden aber auch egal sein – Hauptsache die Katze fühlt sich wohl und zeigt das durch Schnurren an. Doch halt: Schnurren Katzen tatsächlich nur, wenn sie sich wohlfühlen? Wer je eine Katze erlebt hat, die während einer tierärztlichen Behandlung schnurrt, ist da nicht mehr so sicher. Tatsächlich hat eine Katze ganz unterschiedliche Einsatzgebiete für das Schnurren.

 

Schnurren gehört zu den ersten Geräuschen, die ein neugeborenes Kätzchen erzeugt, obwohl es erst nach einer knappen Woche hören kann. Die Vibrationen der schnurrenden Mutter und auch seine eigenen kann es aber von Anfang an spüren. Das gemeinsame Schnurren dürfte dazu beitragen, das Band zwischen der Katzenmutter und ihren Kitten zu stärken, und es ist das Geräusch, das von Anfang an mit Wohlbehagen und dem Stillen des eigenen Hungers verknüpft wird.

 

Dieses Wohlbehagen erlebt die gemütlich auf unserem Schoß zusammengerollte Katze, unser Streicheln erinnert an die pflegende Zunge der Mutterkatze. Alles vibriert in Zufriedenheit.

 

Aber Schnurren kann mehr als das: Es beruhigt bei Angst oder Aufregung und es beschwichtigt in spannungsreichen Situationen. So setzte unsere Katze Daisy anfangs ein sehr intensives Schnurren ein, als sie ersten Male versuchte, in unser Bett zu kommen. Sie setzte vorsichtig ein Pfötchen nach dem anderen auf das Bett und schnurrte wie ein Weltmeister – tatsächlich haben wir sie nie wieder so laut schnurren gehört. Wir haben unsere Daisy als ausgewachsene Katze bekommen und offenbar war sie sehr unsicher, ob wir sie dort dulden würden, und versuchte uns – und vermutlich auch sich selbst – zu signalisieren, dass alles in bester Ordnung ist. Sobald sie herausgefunden hatte, dass sie uns jederzeit gerne auch im Bett besuchen darf, schnurrte sie erst, wenn sie bequem lag und gestreichelt wurde.

 

Auch das Schnurren auf dem Behandlungstisch vom Tierarzt zeigt nicht, dass die Katze sich dort wohlig-wohl fühlt, sondern dass sie versucht, sich selbst zu beruhigen. Ich vermute, dass auch wir zur Entspannung beitragen können, wenn wir unsere aufgeregte Katze kräftig anschnurren. Das braucht freilich ein wenig Übung – ich selbst bin kein guter Schnurrer, aber mein Mann beherrscht das in Perfektion. Nur das Schnurren beim Einatmen will ihm noch nicht gelingen – wie Katzen das hinbekommen, ist nach wie vor ihr Geheimnis. Aber dafür, dass sie so geheimnisvoll sind, lieben wir unsere Katzen ja schließlich auch, oder?

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