Beschäftigung (nicht nur) für Wohnungskatzen

Von Anke Langhein

 

„ Jede Katze spielt – wenn nicht, ist sie nicht gesund“

 

Diesen Satz habe ich das erste Mal gelesen, als ich meinen alten Kater Speedy übernahm. Er spielte nicht – und das hatte auch seine Gründe: Er hatte vierzehn Jahre bei einer älteren Dame gelebt, diese kam plötzlich ins Krankenhaus und er wurde vier Wochen in der Wohnung versorgt, bis er dann in eine Katzenpension kam. Sein Frauchen verstarb. Er verstand die Welt nicht mehr, und als ich ihn dann adoptierte, war er still, zurückgezogen, appetitlos und zeigte kein Interesse am Spiel.

 

Er steckte in einer Depression, vermisste sein Frauchen und seine gewohnte Umgebung. In einem solchen seelischen Zustand mag keine Katze spielen.

 

Wenn eine Katze nicht spielen mag

 

Wenn eine Katze nicht spielen mag, kann das aber auch an einer ungünstigen Spieltechnik von uns Menschen liegen.

 

Um das Spielverhalten einer Katze besser zu verstehen, sehen wir uns ihr Jagdverhalten etwas genauer an:

  • Katzen sind Ansitzjäger. Das heißt, dass sie kein Problem damit haben, zwanzig Minuten vor einem Mauseloch zu sitzen und zu warten, bis die Maus sich heraustraut.
  • Katzen legen nur einen kurzen Sprint hin, um ihr Beutetier zu fangen.
  • Die Beute bewegt sich im Normalfall (ich habe es auch anders erlebt) von der Katze weg.
  • Beute, die sich nicht bewegt, wird schlecht oder gar nicht von der Katze erkannt.

Was bedeutet das für unser Spiel?

 

Wenn wir ein Spielzeug hin und her bewegen und die Katze nur zusieht, heißt es nicht, dass sie es langweilig findet (im Gegensatz zu uns) ;-). Sie beobachtet und lauert auf ihre Chance zum Zuschlagen.

 

Eine Katze durch die Wohnung zu hetzen – besonders junge Katzen finden kein

Ende – ist für unseren Kurzsprinter auf Dauer nicht von Vorteil. (Thema Laserpointer, siehe unten)

Das Spielzeug (Beute) sollte immer von der Katze weg oder zumindest an ihr vorbei hin und her bewegt werden. Das regt den Jagdtrieb an.

 

Das Thema Beschäftigung kann auf alle Katzen übertragen werden, egal ob Wohnungskatze oder Freigänger, Senior oder eine Katze mit Handicap.

 

Wichtig ist, dass  wir uns individuell auf die Katze einstellen. Auch Freigänger freuen sich, wenn ihr Mensch ihnen einen Teil seiner Zeit schenkt und mit ihnen spielt.

Spielen bedeutet Lebensfreude und lastet die Katze seelisch und körperlich aus.

 

Spiel-Ideen

 

Ich möchte jetzt ein paar Beschäftigungsmöglichkeiten vorstellen, die nicht viel kosten und selbst angefertigt werden können.

  • Die Dressurgerte: Sie gibt es für wenig Geld im Pferdefachmarkt zu kaufen und sie ist vielseitig einsetzbar. Ich kenne keine Katze, die widerstehen kann. Scheue Katzen können mit der Gerte aus dem Versteck gelockt werden, ohne dass sie dem Menschen allzu nah kommen müssen. Unter einer Decke oder einem robusten Teppich kann die Gerte eine Maus imitieren und animiert fast jede Katze zum wilden Spiel.
  • Dann gibt es diese langen Kordeln in den Kapuzenpullovern… Also mich nerven diese Bänder und ich wandele sie lieber um zur „gefährlichen“ Schlange. Die Enden, die meist aus Metall oder Plastik bestehen, werden abgeschnitten. Die Kordel oben an die Gerte geknotet, müssen wir nun nur noch durch die Zimmer gehen und es beginnt eine wilde Verfolgungsjagd.
  • Wer kennt nicht diese Luftschlangen aus Papier, die es mittlerweile nicht nur zu Silvester zu kaufen gibt? Einen leeren Karton, der schon an sich auf viele Katzen eine Anziehung ausübt, wird mit den langen Schlangen gefüllt – ein paar Leckerlies hineingestreut, und das Fummelspiel kann beginnen. Alternativ kann man auch mit der Gerte in diesem Luftschlangenberg herumstochern und die Katze wird mit einem Hechtsprung (je nach Alter) in den Karton springen.
  • Als ich Kind war, gab es für Katzen weniger Spielzeug. Ich erinnere mich aber an das Butterbrotpapier, welches zusammengeknüllt und in der Mitte mit einem Paketband eingeschnürt wurde. Es wurde einfach über den Boden gezogen und die Katze konnte das Papier dann zerpflücken.
  • Auch der Wollknäuel ist noch immer sehr beliebt. Hierzu wird möglichst Baumwollgarn genommen, zu einem etwa tischtennisgroßen Ball zusammengewickelt und am Ende verknotet.
  • Lässt man einen ca. zwei Meter langen Faden nach und häkelt daraus noch einen Luftmaschenwurm, kann das Spielzeug sowohl alleine von der Katze durch die Wohnung gejagt als auch wieder vom Menschen hinter sich her gezogen werden. Achtung: Nicht verknotete Knäuel nicht unbeaufsichtigt herumliegen lassen. Katzen können sich in langen Fäden verheddern.
  • Eine große Schüssel mit Wasser für die wasserliebenden Katzen kann man zum Beispiel mit Tischtennisbällen interessanter machen.
  • Auch gibt es die Möglichkeit, die Metallhüllen der Teelichter auf das Wasser zu stellen und mit Leckerlis zu befüllen. Allerdings muss eine Katze dann schon sehr geschickt sein, um nicht die „Boote“ zu fluten.
  • Ein Fenster kann zum Katzen-TV umgewandelt werden und nebenbei tut man den heimischen Wildvögeln noch etwas Gutes:
  • Entweder ist es möglich, vor dem Fenster ein Vogelhaus aufzustellen oder ein Vogeltränke. Es gibt aber auch die Möglichkeit, Meisenringe oder Ähnliches aufzuhängen. Dann noch einen kuscheligen Liegeplatz auf die Fensterbank und fertig ist das Katzen-TV.
  • Clickertraining fordert die Katze nicht nur geistig, sondern stärkt auch das Selbstbewusstsein und die Bindung zwischen Mensch und Katze. Es ist zum Einsatz gegen viele Verhaltensauffälligkeiten gut geeignet. Es gibt zum Clickertraining einige gute Bücher, Videos und Seminare, oder man lässt es sich von einem „Clickercoach“ zeigen.
  • Viele Katzen schätzen die Anwesenheit eines oder sogar mehrerer Artgenossen. Wer einmal gesehen hat, wie zwei Katzen durch die Wohnung toben, sich gegenseitig jagen und balgen, dem wird klar, dass ein Mensch den Artgenossen nicht ersetzen kann. Allerdings sollten Katzen charakterlich zusammenpassen.
  • Vom Laserpointer halte ich persönlich nichts. Der Laser ist auch für Katzenaugen schädlich, die Katze wird womöglich zu lange hin und her gejagt, hat kein Erfolgserlebnis und wird auf Dauer frustriert.
    Ein Argument von Laserpointer-Befürwortern ist, dass man mit dem Pointer am Ende auf ein Leckerlie zeigen kann – trotzdem ersetzt das meines Erachtens nicht das Beutegreifen.

Und wie ging es mit dem alten Speedy weiter? Er fing auch an zu spielen; zwar nicht so ausdauernd, wie eine junge Katze, aber auch er hatte Spaß am Hinterherjagen und unter dem Teppich pföteln. Außerdem wurde er Freigänger und brachte sogar noch Mäuse nach Hause.


Mein Name ist Anke Langhein und ich lebe mit meinen vier Katzen in Hamburg. Schon als Kind haben alle Arten von Tieren eine besondere Faszination auf mich ausgeübt, besonders deren Verhalten, ihr Fühlen und ihr Denken. Dass Tiere eine Seele haben, stand für mich schon immer außer Zweifel.

Bei dem Umgang mit meinen und anderen Familienkatzen taten sich mir immer wieder neue Fragen auf, die ich in herkömmlichen Katzenbüchern nicht beantwortet fand. So bin ich dann zur Akademie für Tiernaturheilkunde ATN in der Schweiz gekommen und habe dort ein Fernstudium der Tierpsychologie, Fachrichtung Katze, begonnen, welches ich im Februar 2016 erfolgreich abgeschlossen habe. Seit April 2016 biete ich neben meinem Hauptberuf als MTA in der Mikrobiologie Verhaltensberatung für Mensch und Katze an.

 

Meine vier Katzen sind alle ehemalige Straßenkatzen aus Hamburg und dem Ausland. Eine weitere Gemeinsamkeit bei allen ist, dass sie entweder ein Handicap haben wie Epilepsie, Demenz, Immunsuppression oder auch nur noch ein Auge.

 

In der Freizeit arbeite ich ehrenamtlich beim Hamburger Tierschutzverein und betreue Futterstellen für einige der ca. 10.000 Streuner hier in Hamburg – dazu gehört selbstverständlich auch das Einfangen und Kastrieren.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0