Wildkatzenhybriden: Die Bengal

Viele Menschen träumen von einer Hauskatze im Wildkatzenlook. Mit der Bengal scheint dieser Traum wahr zu werden.

 

In den 1960er Jahren wurden in den USA zur Erforschung des Felinen Leukämie Virus‘ Kreuzungsexperimente mit der asiatischen Bengalkatze (Prionailurus bengalensis, engl. Asian Leopard Cat, kurz ALC) und Hauskatzen gemacht, weil die Bengalkatze, eine kleine Wildkatzenart, gegen dieses Virus immun ist und man hoffte, durch Kreuzungen diese Immunität auf die Hauskatze übertragen zu können. Bald waren diese Forschungen allerdings obsolet, weil ein Impfstoff gegen Leukose gefunden wurde.

 

Entstehung der Rasse

 

Die amerikanische Genetikerin Jean Sudgen hatte bereits 1963 einen schwarzen Hauskater mit einer Bengalkatze gekreuzt und verpaarte eine weibliche Katze aus diesem Wurf dann wieder mit dem Hauskater. Das Projekt kam jedoch aus familiären Gründen zum Erliegen, und nach einer längeren Pause nahm Jean, zwischenzeitlich Mill mit Nachnamen, dann in den 1970er Jahren ihre Pläne wieder auf, diesmal mit verschiedenen Hauskatzenrassen und wiederum der Bengalkatze, und kreierte eine neue Rasse, die sie zunächst „Leopardette“ nannte. Später etablierte sich dann der heute gebräuchliche Name Bengal oder Bengalkatze, wobei letzterer missverständlich ist, da Bengalkatze eigentlich die Bezeichnung für die Wildkatzenart ist, deshalb gebraucht man auch im deutschsprachigen Raum meist die Abkürzung ALC.

 

1984 wurde die neue Rasse von der Amerikanischen Registrierungsorganisation TICA anerkannt. Das Zuchtziel sind Katzen, die vom Wesen her einer normalen Hauskatze entsprechen sollen und dabei möglichst gezeichnet sind wie eine Wildkatze, sozusagen Mini-Leoparden für das Wohnzimmer.

 

Wesen

 

Die Bengal ist etwas für Menschen mit viel Katzenerfahrung, denn sie ist ausgesprochen aufgeweckt und lebhaft und verfügt über einen ausgeprägten Jagdinstinkt. Das bedeutet, dass man sich wirklich viel mit ihr beschäftigen muss. Sie braucht unbedingt täglich ausgiebige Spieleinheiten als Jagdersatz. Noch lieber würde sie draußen echte Beute jagen, aber eine Bengal mit ungesichertem Freigang ist durch ihre ungewöhnliche Fellzeichnung immer ein potentielles Opfer für Catnapping, sprich, sie wird höchstwahrscheinlich früher oder später entwendet.

 

Die Bengal ist ausgesprochen athletisch und braucht unbedingt zahlreiche Klettermöglichkeiten und hochgelegene Aussichts- und Ruheplätze. Überhaupt tut die Möglichkeit, sich in die Höhe zurückzuziehen, vielen Bengalen ausgesprochen gut, vor allem dann, wenn sie eher vorsichtig mit fremden Menschen sind.

 

Der Bengal wird nachgesagt, dass sie besonders gesellig mit anderen Katzen ist, sich aber auch ausgesprochen eng an ihre Menschen anschließt.

 

Bengalen haben eine besondere Vorliebe für Wasser. Das hat sicherlich damit zu tun, dass die ALC in Wassernähe lebt und unter Anderem Fische und Krebstiere erbeutet, Wasser aber auch als Katzentoilette nutzt.

 

Aussehen

 

Die Bengal ist schlank und muskulös. Ihre Beine sind hinten etwas höher aus vorne. Der Schwanz ist von mittlerer Länge und sollte stets eine schwarze Spitze haben.

 

Der Kopf ist vergleichsweise lang und keilförmig und soll runde Konturen aufweisen. Die Augen können je nach Fellfarbe braun, golden, grün oder auch bläulich sein. Sie sind innen schwarz umrandet und von einem Ring helleren Fells umgeben.

 

Das Fell ist kurz bis mittellang, glatt und seidig. Besonders begehrt ist ein goldener Schimmer, der so genannte Glitter.

 

Eine Bengal trägt entweder einfarbige Tupfen (spotted), leopardenähnliche Kringel mit einer hellen Mitte (rosetted) oder ist marmoriert (marble). Die Grundfarbe ist Braun, Creme, Golden oder Silber.

 

Besonderheiten

 

In der Biologie gibt es die Bezeichnung „Filialgeneration“, abgekürzt F. F1 bedeutet in diesem Fall das Ergebnis einer Kreuzung von Wildkatze und Hauskatze. Für die nächste Generation kreuzt man ein F1-Tier (1/2 Wildkatzenanteil) mit einer Hauskatze und erhält F2-Tiere (1/4 Wildkatzenanteil), also die zweite Fililalgeneration. Kreuzt man ein F2-Tier wiederum mit einer Hauskatze, erhält man F3-Tiere (1/8 Wildkatzenanteil). Und so weiter. Bei Bengalen werden Tiere ab der vierten Filialgeneration als Hauskatze in die Zuchtbücher eingetragen, während Tiere aus den Filialgenerationen F1 bis F4 als Hybriden gelten, also Kreuzungen aus Haustier und Wildtier.

 

Da auch diese Tiere immer noch 1/16 Wildkatzenanteil besitzen, sind sie nur bedingt für die normale Hauskatzenhaltung geeignet bzw. bietet die Haltung immer ein gewisses Problempotential. Solche Bengalen zeigen oft Unsauberkeit und Markierverhalten, können scheu oder auch aggressiv sein, vokalisieren oft übermäßig (sprich: sie maunzen und schreien) und neigen dazu, durch Kratzen Schäden an Wänden und Mobiliar verursachen. Es empfiehlt sich, als Liebhabertier eine Begal auszuwählen, die aus einer Zucht stammt, in der seit vielen Generationen nicht mehr mit den so genannten Foundation-Tieren (F1 bis F4) gezüchtet wird. Je weniger Wildkatzenblut, desto besser ist eine Katze als Hauskatze geeignet.

 

Weil diese Katzen so wunderschön sind und für Kitten deutlich höhere Preise gezahlt werden als für Kitten anderer Rassen, tut man gut daran, einen Züchter sehr sorgfältig auszusuchen. Woran man eine seriöse Katzenzucht erkennt, kannst Du hier nachlesen: 15 Anzeichen für eine seriöse Katzenzucht

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